Baufinanzierung

Sollzins vs. Effektivzins:
Was Sie vor der Baufinanzierung wissen müssen

HypothekenRechnerDE · Lesezeit ca. 4 Minuten

Wer Kreditangebote vergleicht, stolpert unweigerlich über zwei Zinsbegriffe: Sollzins und Effektivzins. Beide stehen im Angebot, beide klingen nach "dem Zins" — und doch bedeuten sie sehr Unterschiedliches. Wer den falschen Wert zum Vergleich heranzieht, entscheidet sich möglicherweise für das teurere Angebot.

Der Sollzins: der reine Darlehenszinssatz

Der Sollzins (früher: Nominalzins) ist der Zinssatz, zu dem die Bank das Darlehen verzinst — und zwar nur der Zins, ohne sonstige Kosten. Er legt fest, wie viel Prozent des jeweils ausstehenden Darlehensbetrags pro Jahr als Zinsen anfallen.

Beispiel: Sollzins 3,40 %, Darlehen 300.000 €, monatlicher Zinsanteil im ersten Monat:
300.000 € × 3,40 % ÷ 12 = 850 €

Der Sollzins sagt nichts darüber aus, was das Darlehen Sie insgesamt kostet — er ignoriert Nebenkosten, Tilgungsverrechnung und eventuelle Gebühren.

Der Effektivzins: der faire Vergleichswert

Der Effektivzins (auch: effektiver Jahreszins) ist der gesetzlich vorgeschriebene Vergleichswert. Nach § 6 der Preisangabenverordnung (PAngV) müssen alle Anbieter von Verbraucherkrediten den Effektivzins angeben — damit Verbraucher Angebote auf einer einheitlichen Basis vergleichen können.

In den Effektivzins fließen ein:

📊 Sollzins

Reiner Darlehenszins. Gibt die Verzinsung des Restkapitals an. Nicht für den Angebotsvergleich geeignet.

⚖️ Effektivzins

Gesetzlicher Vergleichswert (§ 6 PAngV). Enthält alle Kosten. Immer für den Angebotsvergleich verwenden.

Warum der Unterschied in der Praxis wichtig ist

Bank A bietet: Sollzins 3,30 %, Effektivzins 3,45 %
Bank B bietet: Sollzins 3,35 %, Effektivzins 3,38 %

Nach Sollzins würde man Bank A wählen (3,30 % < 3,35 %). Nach Effektivzins ist Bank B günstiger (3,38 % < 3,45 %). Bank B kostet Sie trotz höherem Sollzins weniger — weil Bank A weitere Kosten einkalkuliert hat.

Merksatz

Vergleichen Sie immer den Effektivzins. Nur er macht Kreditangebote wirklich vergleichbar.

Wie viel Unterschied macht 0,5 % Zinsen?

DarlehenZinssatzTilgungZinszahlung über 20 Jahre (ca.)
300.000 €3,50 %2,0 %~ 115.000 €
300.000 €3,00 %2,0 %~ 98.000 €
300.000 €2,50 %2,0 %~ 82.000 €

0,5 % weniger Zinsen sparen bei 300.000 € Darlehen über 20 Jahre rund 17.000 € an Zinskosten. Der Angebotsvergleich lohnt sich — immer.

Monatsrate und Zinskosten berechnen

Tragen Sie Darlehensbetrag, Sollzins und Tilgung ein — der Monatsrate-Rechner zeigt Ihre Rate und Zinskosten auf einen Blick.

Monatsrate berechnen →

Zinsbindung: kurz oder lang?

Eng mit dem Zinssatz verbunden ist die Zinsbindungsdauer — der Zeitraum, für den Ihr Zinssatz vertraglich festgeschrieben ist. In Deutschland sind 10 und 15 Jahre am gebräuchlichsten, aber auch 5, 20 oder 30 Jahre sind möglich.

Nach § 489 BGB haben Sie bei Immobiliendarlehen mit mehr als 10 Jahren Zinsbindung ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren — mit einer Frist von 6 Monaten und ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

Fazit

Der Sollzins zeigt Ihnen die reine Verzinsung des Darlehens — der Effektivzins zeigt Ihnen die echten Kosten. Nutzen Sie beim Vergleich von Finanzierungsangeboten immer den Effektivzins. Und berechnen Sie mit unserem Monatsrate-Rechner sofort, welche Konditionen zu Ihrem Budget passen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?+
Der Sollzins ist der reine Darlehenszinssatz. Der Effektivzins enthält zusätzlich alle weiteren Kosten und ist der gesetzlich vorgeschriebene Vergleichswert (§ 6 PAngV). Vergleichen Sie immer nach Effektivzins.
Welchen Zinssatz soll ich beim Angebotsvergleich verwenden?+
Immer den Effektivzins. Nur er macht Kreditangebote verschiedener Banken wirklich vergleichbar. Zwei Angebote mit gleichem Sollzins können unterschiedliche Effektivzinsen — und damit unterschiedliche Gesamtkosten — haben.
Wie viel Unterschied macht 0,5 % Zins über die Laufzeit?+
Bei 300.000 € Darlehen über 20 Jahre bedeuten 0,5 % weniger Zinsen eine Ersparnis von ca. 17.000 € an Zinskosten. Ein Vergleich mehrerer Angebote lohnt sich immer.
Was ist Zinsbindung und warum ist sie wichtig?+
Die Zinsbindung ist der Zeitraum, für den Ihr Zinssatz unveränderlich festgeschrieben ist (typisch 5–20 Jahre). Danach muss eine Anschlussfinanzierung zu aktuellen Zinsen abgeschlossen werden. Längere Bindung = mehr Sicherheit, aber meist höherer Zinssatz.