Wer Kreditangebote vergleicht, stolpert unweigerlich über zwei Zinsbegriffe: Sollzins und Effektivzins. Beide stehen im Angebot, beide klingen nach "dem Zins" — und doch bedeuten sie sehr Unterschiedliches. Wer den falschen Wert zum Vergleich heranzieht, entscheidet sich möglicherweise für das teurere Angebot.
Der Sollzins: der reine Darlehenszinssatz
Der Sollzins (früher: Nominalzins) ist der Zinssatz, zu dem die Bank das Darlehen verzinst — und zwar nur der Zins, ohne sonstige Kosten. Er legt fest, wie viel Prozent des jeweils ausstehenden Darlehensbetrags pro Jahr als Zinsen anfallen.
Beispiel: Sollzins 3,40 %, Darlehen 300.000 €, monatlicher Zinsanteil im ersten Monat:
300.000 € × 3,40 % ÷ 12 = 850 €
Der Sollzins sagt nichts darüber aus, was das Darlehen Sie insgesamt kostet — er ignoriert Nebenkosten, Tilgungsverrechnung und eventuelle Gebühren.
Der Effektivzins: der faire Vergleichswert
Der Effektivzins (auch: effektiver Jahreszins) ist der gesetzlich vorgeschriebene Vergleichswert. Nach § 6 der Preisangabenverordnung (PAngV) müssen alle Anbieter von Verbraucherkrediten den Effektivzins angeben — damit Verbraucher Angebote auf einer einheitlichen Basis vergleichen können.
In den Effektivzins fließen ein:
- Der Sollzins
- Bearbeitungsgebühren (soweit noch erlaubt)
- Zeitpunkt und Modalitäten der Zinszahlung
- Tilgungsverrechnung (wann fließt die Tilgung an den Saldo)
- Ggf. verpflichtende Restschuldversicherungen
📊 Sollzins
Reiner Darlehenszins. Gibt die Verzinsung des Restkapitals an. Nicht für den Angebotsvergleich geeignet.
⚖️ Effektivzins
Gesetzlicher Vergleichswert (§ 6 PAngV). Enthält alle Kosten. Immer für den Angebotsvergleich verwenden.
Warum der Unterschied in der Praxis wichtig ist
Bank A bietet: Sollzins 3,30 %, Effektivzins 3,45 %
Bank B bietet: Sollzins 3,35 %, Effektivzins 3,38 %
Nach Sollzins würde man Bank A wählen (3,30 % < 3,35 %). Nach Effektivzins ist Bank B günstiger (3,38 % < 3,45 %). Bank B kostet Sie trotz höherem Sollzins weniger — weil Bank A weitere Kosten einkalkuliert hat.
Vergleichen Sie immer den Effektivzins. Nur er macht Kreditangebote wirklich vergleichbar.
Wie viel Unterschied macht 0,5 % Zinsen?
| Darlehen | Zinssatz | Tilgung | Zinszahlung über 20 Jahre (ca.) |
|---|---|---|---|
| 300.000 € | 3,50 % | 2,0 % | ~ 115.000 € |
| 300.000 € | 3,00 % | 2,0 % | ~ 98.000 € |
| 300.000 € | 2,50 % | 2,0 % | ~ 82.000 € |
0,5 % weniger Zinsen sparen bei 300.000 € Darlehen über 20 Jahre rund 17.000 € an Zinskosten. Der Angebotsvergleich lohnt sich — immer.
Monatsrate und Zinskosten berechnen
Tragen Sie Darlehensbetrag, Sollzins und Tilgung ein — der Monatsrate-Rechner zeigt Ihre Rate und Zinskosten auf einen Blick.
Monatsrate berechnen →Zinsbindung: kurz oder lang?
Eng mit dem Zinssatz verbunden ist die Zinsbindungsdauer — der Zeitraum, für den Ihr Zinssatz vertraglich festgeschrieben ist. In Deutschland sind 10 und 15 Jahre am gebräuchlichsten, aber auch 5, 20 oder 30 Jahre sind möglich.
- Kurze Zinsbindung (5–7 Jahre): Günstigerer Einstiegszins, aber das Risiko steigender Zinsen bei der Anschlussfinanzierung
- Lange Zinsbindung (15–20 Jahre): Höherer Zinssatz, aber maximale Planungssicherheit — besonders sinnvoll in Niedrigzinsphasen
Nach § 489 BGB haben Sie bei Immobiliendarlehen mit mehr als 10 Jahren Zinsbindung ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren — mit einer Frist von 6 Monaten und ohne Vorfälligkeitsentschädigung.
Fazit
Der Sollzins zeigt Ihnen die reine Verzinsung des Darlehens — der Effektivzins zeigt Ihnen die echten Kosten. Nutzen Sie beim Vergleich von Finanzierungsangeboten immer den Effektivzins. Und berechnen Sie mit unserem Monatsrate-Rechner sofort, welche Konditionen zu Ihrem Budget passen.